Montag, 10. Februar 2014

[Autoren Interview] Sabine Bürger

Neue Woche neues Interview. Die sympatische Autorin des Romans "Hexenkinder-Fenster in die Vergangenheit" hat meinem Blog ein paar Fragen beantwortet ganz gemütlich bei Keksen und Kaffee.


©Sabine Bürger



 Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
 Auf vollkommen  unspektakuläre Weise. Irgendwann habe ich einfach  die Sätze, die in meinem Kopf herumschwirrten,  aufgeschrieben. Bereits in der Schule waren Lesen und Schreiben mein größtes Hobby – für meine ehemaligen Klassenkameraden ist das, was ich heute mache,  eine folgerichtige Entscheidung.

Bookdealer fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Meine langjährige Freundin vielleicht? Aber nur bedingt, weil Freunde und Familie voreingenommene Kritiker sind. Das bleibt also an mir hängen, da bin ich gnadenlos. Als Autor muss man lernen, sich von seinen Sätzen zu trennen.

Bookdealer fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach
drauf los?
Rituale habe ich keine. Jeden Tag mindestens vier bis sechs Stunden Schreibarbeit zu leisten, das ist das Ziel. Manchmal wird es mehr,  manchmal weniger. Tägliche Disziplin ist unerlässlich in dem Job.

Bookdealer fragt: Wie ist die Idee zu „Hexenkinder“ entstanden?
Historische Romane gehören zu meiner Lieblingslektüre. Allerdings sind sie zum größten Teil für Erwachsene geschrieben. Mich hat einfach die Idee gereizt, Kinder in eine längst vergangene Zeit zu schicken, um zu sehen, wie sie mit den primitiven Verhältnissen und den Abenteuern klar kommen.  

Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Die Geschichte hat Vorrang, aber die Hauptprotagonisten gibt es zeitgleich. Hin und wieder mogelt sich einer dazu oder springt ab. Nebendarsteller sind unbekümmerter, sie streifen auch mal ungeplant den Verlauf der Erzählung.
Lustige, ungewöhnliche Namen sind für Kinder einprägsamer, sie sollten allerdings den Zeitgeist treffen. Kai-Uwe bzw. Jason-Maddox gehen im Mittelalter gar nicht.

Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Da gibt es viele, weil ich fast alles lese. Stieg Larsson, Dan Brown, Ken Follett, Diana Gabaldon, aber auch junge deutsche Autoren (Martina Sahler, Sabine Ebert, Elisabeth Büchle  zB. )
Generell bevorzuge ich Bücher, die mich lachen, weinen, vor Spannung nicht schlafen lassen, „Dornenvögel“ z.B. war seinerzeit eine großartige Erfahrung für mich – wenn das passiert, dann hat der Autor bei mir sein Ziel erreicht.

Bookdealer fragt:  Könntest du dir auch vorstellen mit einem anderem Autor ein Buch zu schreiben?
Natürlich, das wäre eine spannende Sache. Ungewöhnlich, weil Autoren gern im eigenen Saft schmoren aber nicht auszuschließen. Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet …

Bookdealer fragt: Welcher deiner Charaktere ist dir besonders ans Herz gewachsen und welchen magst du überhaupt nicht?
Das klingt jetzt abgedroschen – aber ich mag sie alle. Die Bösen müssen böse sein, die Guten nicht immer gut – ich liebe die ganze Palette menschlicher Empfindungen.  Fies, zärtlich,  mitfühlend, lieb, doof oder kess. Eff Eff zum Beispiel – ein echter Berliner Junge. Große Fr … dabei butterweich. Oder Bruder Thomas – böse und fanatisch fehlgesteuert.

Bookdealer fragt: Bei stöbern auf deiner Homepage habe ich deine Kurzgeschichten entdeckt, wie ist es dazu gekommen das sie in der Zeitschrift „Auf einen Blick“ veröffentlich werden?
Kurzkrimis und True Storys waren das Erste, was von mir über eine Agentur veröffentlicht wurde. Eine tolle, lehrreiche Erfahrung, unerlässlich für jeden Autor, wie ich finde, weil auch Ablehnungen dazu gehören können. Man lernt „Im Auftrag“ zu schreiben, das ist nicht immer leicht.

Bookdealer fragt: Wie lange brauchst du ungefähr für ein Buch (bis es fertig geschrieben ist und du es in den Händen halten kannst ) ?
Ein Jahr geht schon ins Land, bei einem 400 Seiten starken MS.
Schreiben – verbessern – schreiben - ändern - neu erfinden, verwerfen, verzweifeln – stöhnen und weiter machen. Ungefähr so, bevor es der Verlag bekommt und noch einmal Wochen vergehen. Die wenigsten Leser können sich das vorstellen; es steckt unermüdliche Arbeit dahinter. Deshalb treffen unsachliche, gemeine Rezensionen jeden Schreiber besonders hart.

Bookdealer fragt: Da du ja viele Lesungen in Schulen gibst, wie kommt das Buch „Hexenkinder“ beim jungen Publikum denn  an und bekommst du von den Kids auch Rückmeldungen zu deinen Büchern?
Zu meiner großen Freude wirklich gut. Kinder sind niemals berechnend. Sie sagen die Wahrheit. Die Lesungen machen allen Spaß. Mit Rückmeldungen gehen Kinder eher sparsam um. Eltern erzählen mir, wie ihre Jüngsten das Buch fanden und Deutschlehrer, die sind durchweg begeistert. (Ob das gut ist? Hm) Deshalb war es für mich eine schöne Überraschung, als sich Jungen der 8. Klasse einer Oberschule nach einer Lesung an die Zeitung gewandt hatten. Plötzlich gab es ein öffentliches Feedback. Ich hatte Tränen in den Augen.

Bookdealer fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du überhaupt nicht?
Richtige Bücher. Ich liebe ihren Geruch, das Knistern, die Cover – eigentlich alles. Außer utopische Fantasie-Romane ist nichts Geschriebenes  vor mir sicher. Historie, Biographie, Liebe, Sex, Tragik, Humor und natürlich Krimis – eine unendliche Palette verteilt in vielen Schränken.  E-books gibt es auch – allerdings vorerst nur auf einem schlichten Reader. Irgendwann wird er einem besseren Lesegerät weichen. Das bleibt nicht aus – es ist die Realität junger Generationen, da muss man dranbleiben.

Bookdealer: Was gehört für dich zu einem gemütlichen Leseabend dazu?
Nur das Buch und Wärme. Dann tauche ich ein und entschwebe. Nichts kann mich stören, egal was ringsumher passiert. Kerzen, Wein und Knapperzeug stören nicht, müssen aber nicht sein. Ich will lesen – sonst nichts.

Bookdealer fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was nicht an?
Sogar sehr gern. Allerdings bin ich häufig enttäuscht, weil ich das Buch besser fand. Der Autor erzeugt ein Bild seiner Protagonisten in deinem Kopf, der Film zerstört sie. Furchtbar. Klar gibt es auch den umgekehrten Fall. Stieg Larssons Verfilmung fand ich atemberaubend, Iny Lorentz‘ Wanderhure eher mäßig.

Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt immer so?
Bis jetzt war ich nur in Leipzig. Das war aufregend, interessant und anstrengend zugleich. Da ich aber büchersüchtig bin, versuche ich es jedes Jahr, zumindest für Leipzig, einzurichten.

Bookdealer fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern?
Sehr wichtig. Ohne interessierte Bücherfans geht es kaum. Autoren schreiben nicht nur zur eigenen Erbauung, das wäre armselig, sondern sie benötigen Lob und kritische Anmerkungen zu dem, was sie verzapfen. Das bringt sie weiter, das motiviert. Im vergangenen Jahr haben sich Interessierte bis auf unseren Hof durchgekämpft – mitten in der Pampa – ich war total gerührt.

Bookdealer fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen, oder hast du da die Zeit nicht mehr so dazu? Und Gibt es einen Autoren den du unbedingt mal treffen möchtest?
Wenn es meine Zeit und die Entfernungen zulassen, versuche ich das einzurichten. Allerdings erfordert das eine sorgfältige Planung vorher, weil ich abseits und mit Tieren lebe, die versorgt werden müssen. Wenn alles bedacht ist, freue ich mich umso mehr darauf. Sehr gern würde ich Ken Follett treffen. Aber das wird wohl nichts mehr * lach*

Bookdealer fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen möchtest ?
Ich möchte noch viele Bücher schreiben und sie ganz unbescheiden in allen Buchläden finden können. Gesundheit kann ich mir nur wünschen, ansonsten ist mein Leben perfekt, so wie es ist.

Vielen herzlichen Dank liebe Sabine, das du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.


Das habe ich gern getan und ich möchte mich dafür ganz herzlich bei dir, liebe Verena, bedanken.

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