Donnerstag, 19. Dezember 2013

[Autoren Interview] Anne Freytag

Das letzte Interview im Jahr 2013 durfte ich mit der sympatischen Autorin Anne Freytag führen, ich wünsche euch ganz viel Spass beim lesen:

Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Anne: Ich habe immer gern geschrieben. Meistens Gedanken zu bestimmten Themen, die mich interessiert, geärgert oder sonst irgendwie beschäftigt haben. Während des Studiums habe ich dann einfach so angefangen „Irgendwo dazwischen“ zu schreiben. Und so unwahrscheinlich es klingt, es ist einfach passiert.


Bookdealer fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Anne: Ich habe viele gute Kritiker. Gut im Sinne von ehrlich, aber nicht mit dem Baseballschläger, sondern zart. Also Hiebe mit der Feder. Mein größter Kritiker bleibe aber immer letztlich immer ich. Ich bin nicht leicht zufrieden und auch nicht leicht zu überzeugen. Wenn ich es dann bin, dann ist das Gefühl aber wirklich klasse.


Bookdealer fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben?
Anne: Nein, Rituale nicht wirklich. Ich höre meine Musik (manchmal tot), ich will ansonsten Ruhe (aber es darf nicht zu leise sein, deswegen Musik) und ich trinke Mengen an Tee und Kaffee. Mal so mal so. Aber sonst ist es eher eine Launensache. Manchmal ist es ganz einfach, manchmal ein Kampf gegen den inneren Schweinehund. Aber Kaffee und Musik machen oft selbst dem schwerfälligsten Schweinehund Beine.


Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Anne: Ja, das ist so eine Sache. Erst muss eine Grundidee her. Aber das wichtigste sind die Charaktere. Ich brauche immer drei Dinge, damit eine Geschichte anfangen kann (und Chancen hat, auch ein Ende zu bekommen...). 1. Den Namen und eine grobe Vorstellung von der Person (Aussehen, Marotten, Eigenschaften...), 2. Einen Job oder eben keinen, aber etwas, das die real macht (Wohnort, Art der Wohnung, Beziehung oder nicht, Beruf etc.) und 3. Ein Problem. Ohne das Problem gibt es keine Geschichte. Mal ist es die Liebe, mal der Job, mal die Vergangenheit, oder aber etwas völlig anderes. Aber ein Problem muss her. Ohne Problem gibt es nichts zu erzählen. Das sind meine Zutaten. Grundidee, Name, Beruf und Problem. Wenn das dann passt, kann es losgehen.


Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Anne: Zum einen „Das Parfüm“, zum anderen „Harry Potter“. Diese Bücher haben mich ganz tief in ihren Sog gerissen und mich nicht mehr freigelassen.


Bookdealer fragt: Könntest du dir auch vorstellen mit einem anderen Autoren ein Buch zusammen zu schreiben?
Anne: Nein. Ein Buch mit jemandem zusammen zu schreiben, kann ich mir nicht vorstellen. Ich denke, dass das sehr schwierig ist. Allein schon vom Schreibstil und der Organisation. Die Stile müssen ähnlich sein, sich nicht gegenseitig drücken, aber es darf auch keine zu großen Unterschiede geben, sonst schadet so ein Projekt eher. Ich glaube, es ist überaus schwierig, das zu zweit in einem Roman zu machen - mit Kurzgeschichten würde es gehen, aber ich schreibe keine Kurzgeschichten. Und man darf das Drumherum nicht vergessen: wer macht was, wer kümmert sich? Kann man sich einigen (Preis, Titel, Cover...)? Und was ist, wenn es zu Problemen kommt? Ich denke man kann viele tolle Dinge zusammen machen, sich gegenseitig helfen und Neues kreieren, aber eben nicht in einem gemeinsam geschriebenen Buch. Ich denke, jeder braucht den Raum für seine Geschichte und seinen eigenen Stil. Gemeinsame Romane klingen wie Abstriche auf beiden Seiten und ich denke, da leiden beide Autoren darunter. Bestimmt gibt es Leute, die das total super können, ich denke, ich könnte es nicht.


Bookdealer fragt: Du hast ja im Sommer gleich 3 Bücher veröffentlicht, wenn ich das richtig gesehen habe, war das Zufall das alle zusammen veröffentlicht wurden oder warum im selfpublishing?
Anne: Ich habe bei den dreien das Gefühl gehabt, dass sie raus wollten in die unendlichen Weiten des Internets. Die anderen lungern noch bei mir auf dem Laptop herum... mal sehen, wann sie soweit sind. Ich hatte von Anfang an den Traum, als Hybrid-Autorin arbeiten zu können. Das hat jetzt geklappt. Ich liebe es, meine Romane selbst zu veröffentlichen, aber ein Verlag im Rücken kann ein toller Prestige-Faktor sein. Und wenn es nur ist, weil viele Leute denken, dass Selfpublisher bedeutet, dass man nicht „gut genug“ für einen Verlag ist, was überhaupt nichts mit einander zu tun haben muss. Mit Piper habe ich jetzt den Vorteil, dass ich auch in den Buchhandel komme. Und mit meinen anderen Büchern kann ich mich austoben, wie ich will. Ich liebe es, schnell und aus dem Bauch heraus etwas entscheiden zu können und niemanden fragen zu müssen. Und andererseits macht die Zusammenarbeit mit Piper wirklich großen Spaß. Mal ganz abgesehen davon, dass Piper ein sehr renommierter Verlag ist, der insgeheim immer mein absoluter Traumverlag war. Ein Taschenbuch bei Piper ist wirklich der Hammer. Und jetzt, wo der erste Entwurf fertig ist, stürze ich mich wieder in etwas Selbstverlegtes. Ich freue mich auf beides. :-D


Bookdealer fragt: Wie lange brauchst du ungefähr für ein Buch (bis es fertig geschrieben ist ) ?
Anne: Dieses hat sieben Wochen gebraucht, aber es ist ja nicht fertig, wenn man das Wort „Ende“ darunter schreibt. Jetzt kommt das Lektorat und Feinschliff und und und. Das kenne ich so nicht, weil ich bisher immer nur ein Korrektorat hatte. Also im Normalfall braucht es zwischen 3 und 6 Monaten bis es auf Amazon gehen kann. Ich stecke grad bei zwei Büchern, die ich immer wieder mal weiterschreibe. Sowas zeiht sich dann natürlich hin. Aber die 3-6 Monate kommen gut hin. In der Zeit ist das zu schaffen – vorausgesetzt, die Protagonisten machen mit. Und das ist nicht immer der Fall. ;-)


Bookdealer fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du überhaupt nicht?
Anne: Ich liebe mein Kindle. Ich habe keinen Platz für Bücher und deswegen kommen mir nur Bücher ins Regal, die mir wirklich ganz viel bedeuten. Die anderen wohnen auf meinem Kindle und den habe ich fast immer dabei. Ich liebe E-Books. Und ich möchte sie nicht mehr missen.


Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt immer so?
Anne: Ich war dieses Jahr zum ersten Mal und habe mich so klein und unwichtig gefühlt, dass mir manchmal kein besserer Vergleich als das Krill eingefallen ist. Ich bin mit der Einstellung nach Frankfurt gefahren, dass ich ein Hering bin. Einer von GAAAANZ vielen in einem riesigen Schwarm. Die Wahrheit war, ich war das Krill. Unsichtbar. Es war trotzdem (oder gerade deswegen) eine wichtige Erfahrung und es hat auch Spaß gemacht. Ich habe in den Massen spannende Leute getroffen und tolle Kontakte geknüpft. Nächstes Jahr? Ich denke, da gebe ich mir beides. Vielleicht habe ich Glück und mein Piper-Taschenbuch wird auf der Messe gezeigt. Aber auch wenn nicht: Ich weiß ja jetzt, was mich erwartet. Und ich denke, das macht viel aus.


Bookdealer fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern?
Anne: Sehr wichtig. Ich finde den Kontakt klasse. Und ich freue mich, wie oft ich Mails und Nachrichten von Lesern bekomme. Es ist ein seltsamer und wunderbarer Gedanke, dass da Menschen sitzen, die mich nicht kennen und meine Romane lesen. Vor einem Jahr noch undenkbar. Da habe ich meine Freunde und Bekannten gezwungen. ;-) Ich merke immer mehr, dass es zeitlich schwieriger wird, allen zu antworten, aber ich gebe mir wirklich Mühe, weil ich den Austausch klasse finde. Ohne Leser wären es nur Dateien. Geschichten ohne innere Augen und Ohren. Erst die Leser machen meinen Traum ein bisschen mehr zur Realität. Jeder einzelne. Und deswegen versuche ich auch, jedem einzelnen zu antworten.


Bookdealer fragt: Was hälst du von den Blogtouren die im Moment so beliebt sind? Sprich wenn Blogger, Autoren & deren Bücher bekannter machen.
Anne: Ich denke, die Grundidee ist klasse. Die Zielgruppe liest, bespricht und stellt vor. Und potenzielle Leser bekommen eine Empfehlung (oder auch nicht) von jemandem, dem sie trauen. Das Problem ist, dass das nicht immer so funktioniert. Wenn es funktioniert, finde ich es toll.


Bookdealer fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen, oder hast du da die Zeit nicht mehr so dazu? Und Gibt es einen Autoren den du unbedingt mal treffen möchtest?
Anne: Ich muss zugeben, dass ich kaum zum Lesen komme. Und ich bin keine Leseratte. Ich schreibe. Klar habe ich meine Idole, aber die werde ich wohl nie treffen. ;-) Ich mag den Austausch über Facebook mit anderen Autoren und Autorinnen. Das hilft und macht Spaß. Aber für Lesungen habe ich im Augenblick wirklich zu wenig Zeit. Und viele, die ich spannend fände, sind dann mal eben ein paar Hundert Kilometer entfernt. L


Bookdealer fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen möchtest ?
Anne: Ich will mit meinem Freund reisen. Das wäre das Größte. Viel sehen und entdecken. Und dann noch: Schreiben. Träumen. Und manche Träume in Erfüllung gehen sehen.


Vielen herzlichen Dank liebe Anne, das du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.
Anne: Hat mir Spaß gemacht! J


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen