Dienstag, 12. November 2013

[Autoren Interview] Elke Pistor

Auch die sympatische Autorin Elke Pistor konnte ich für ein kleines Interview gewinnen und ihre Antworten dürft ihr nun hier lesen:


© Barbara Hentschel / H-Phase Media



Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen? 
Ungeplant und unerwartet. In meiner Kindheit und Jugend gibt es kein einziges Tagebuch, keine Geschichten in Schulheften und keine Artikel in der Schülerzeitung. Da habe ich zwar mitgemacht, aber als Organisatorin und Layouterin. Das Schreiben ist irgendwann zu mir gekommen. Und das sogar relativ spät. Zum 40. habe ich mir einen Kurs »Kreatives Schreiben« an der Kölner VHS geschenkt. Dank einer hervorragenden Schreiblehrerin zündete der Funke und danach ging alles sehr schnell. Ich habe über zwei Jahre hinweg sehr intensiv an Aus- und Weiterbildungen teilgenommen, um das Handwerk des Schreibens zu erlernen. Ohne das, davon bin ich fest überzeugt, nutzt das schönste Talent nichts.

Bookdealer fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker? 
Meine Familie liest die Bücher erst, wenn sie fertig sind. Familienmitglieder sind keine guten Testleser, weil sie den Text zu sehr mit der Person verbinden. Ergebnis sind viel zu nette oder unsachliche Kritiken.
Ich habe unterschiedliche Testleser, die die Manuskripte aus unterschiedlichen Blickwinkeln lesen. Eine Polizistin, ein Förster (bei den Eifelkrimis) und (Krimi-) Vielleserinnen. Das ist deutlich hilfreicher.

Bookdealer fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben? 
Ich brauche eine große Kanne einer bestimmten Teesorte auf meinem Schreibtisch. Ich hoffe, dass es diese Sorte noch lange geben wird …

Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter? 
Das ist unterschiedlich. Zu meinem neuen Buch »Kraut & Rübchen« ist mir zu allererst der Titel eingefallen, als ich angefragt wurde, ob ich Lust hätte, einen Landkrimi zu schreiben. Das »Kraut« hatte sich während einer Giftkräuterwanderung schon als mögliches Thema für einen Krimi in meinem Hinterkopf eingenistet. Zum »Rübchen« bin ich dann durch Wortassoziation gekommen. Daraus entwickelte sich Katharina Rübchen als Figur. Und daraus erst die Handlung.
Bei anderen Büchern geht es durchaus anders. »Eifler Zorn« ist entstanden, weil in Gemünd, dem Handlungsort der Eifel-Krimis, ein altes Haus abgerissen wurde, das mich in meiner Kindheit immer sehr beeindruckt hat. Da war es die Zufallsinspiration. Beim Krimi »Vergessen«, der im nächsten August bei Ullstein erscheint, war es das Thema Alzheimer, das mich faszinierte und inspirierte.

Die Namen der Figuren vergebe ich sehr oft mit Hintergedanken. Ina Weinz aus der Eifelkrimireihe trägt den Mädchennamen meiner Großmutter - als kleine Reminiszenz. Ansonsten habe ich ein Faible für ‚sprechende‘ Namen. Der männliche Part meines neuen Ermittlerduos in »Vergessen« heißt Christoph Todt, eine alte Dame Ruth Altenrath. Seine Partnerin Verena Irlenbusch hat den Nachnamen aus einer Todesanzeige. Den Vornamen habe ich von meinen Lesern in einer Facebook-Umfrage wählen lassen.

Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken? 
Zu viele, um sie einzeln zu nennen. Ich finde immer wieder Bücher, die mich faszinieren und als Leserin begeistern. Die lese ich dann mit fachlichen Augen ein zweites Mal, um zu analysieren, wie der Autor oder die Autorin es geschafft hat, genau diesen Effekt zu erzielen, der mich so ‚mitgenommen‘ hat.

Bookdealer fragt: Könntest du dir auch vorstellen mit einem anderen Autoren ein Buch zusammen zu schreiben? 
Ja und nein. Ja, weil ich durchaus Lust darauf hätte und ich mir vorstellen könnte, dass es eine sehr inspirierende Angelegenheit würde. Nein, weil ich  befürchte, dass es sehr schwierig werden könnte, die unterschiedlichen Arbeitstile aufeinander abzustimmen.

Bookdealer fragt: Ich habe ja beim Stöbern im Netz mitbekommen, dass du Schreibworkshops gibst. Erzähl doch mal ein wenig darüber.
Für die Schreibwerkstätten arbeite ich mit der Akademie der Edition Oberkassel zusammen. Im nächsten Jahr biete ich hier drei Seminare an. »Von Augenfarbe bis Zwangsneurose - packende Figuren schaffen« heißt eines davon. Ich lege viel Wert auf gutes Handwerk und gebe meine Erfahrungen sehr gerne weiter. Meine Seminare sind sehr praxisorientiert. Ich gebe den Teilnehmerin eine Reihe an Werkzeuge an die Hand, die sie für sich ausprobieren und in ihre eigene Arbeit einbauen können.
http://www.eo-akademie.de/seminare-und-termine/

Bookdealer fragt: In deinem Landkrimi „Kraut & Rübchen“ geht es ja sehr viel um Pflanzen. Nun meine Fragen: A. hast du selber einen grünen Daumen und gärtnerst gerne & B. heilst du kleinere Wehwehchen schon mal mit Pflanzenrezepten oder ist das eher nichts für dich? (ich hoffe du weißt jetzt was ich meine *g*)
Grüner Daumen - ja. Eine Art Familienerbe. Schon meine Großmutter hatte einen Traumgarten in der Eifel und der Garten meiner Mutter gehört eigentlich in eines dieser Gartenmagazine. Ich habe nur einen kleinen Stadtgarten, aber selbst dafür zu wenig Zeit. D.H. ich fahre zur Zeit das Prinzip der kontrollierten Verwilderung. Im Herbst und im Frühjahr schneide ich radikal zurück, den Rest des Jahres darf wachsen, was wachsen möchte.

Pflanzenrezepte sind mit genau so großer Vorsicht und Sachkenntnis zu behandeln wie ‚richtige‘ Medikamente. Gerade durch die Arbeit an »Kraut & Rübchen« ist mir das noch einmal deutlich  geworden. Pflanzen haben Wirkstoffe, die heilen, aber auch gewaltige Schäden anrichten können.

Bookdealer fragt: War es schwer einen Verlag für deine Bücher zu finden?
Nein. Das war es nicht. Meinen Erstling wollten drei Verlage haben. Allerdings ist mir erst im Nachhinein aufgegangen, das das nicht der Normalfall ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, wie das Buchgeschäft abläuft.  Umso mehr weiß ich es heute zu schätzen, wenn mein Agent auch meine neuen Projekte sehr schnell und gut unter Dach und Fach bekommt.

Bookdealer fragt: Wie lange brauchst du ungefähr für ein Buch (bis es fertig geschrieben ist ) ? 
Von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript ca 7 Monate, wobei die reine Schreibzeit ungefähr drei Monate in Anspruch nimmt.

Bookdealer fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du überhaupt nicht? 
Ich habe keinen E-Book- Reader. Mein Mann hat mir mal einen geschenkt. Den habe ich aber gegen eine Kaffeemaschine eingetauscht. Ich lese ab und an ein E-Book auf  meinem Handy. Aber das ist eher selten und der Not geschuldet. Ich mag Print-Bücher einfach lieber, weil sie für mich nicht nur Inhalt bringen müsen, sondern auch knistern und riechen und sich anfühlen. Aber das ist eine sehr persönliche Ansicht und soll das E-Book an sich nicht schmälern.

Ich lese gerne GUTE Bücher, unabhängig vom Genre. In meinem Schrank steht Zeitgenössisches neben SF und Klassikern. Natürlich eine Menge Krimis. Aber auch Historienromane. Als Leserin brauche ich die Genre-Schubladen nicht. Wenn ein Buch mich auf seine eigene Weise fesselt, dann lese ich es mit Begeisterung. Ich finde, gerade als Genre-Autor sollte man so oft wie möglich über den eigenen Tellerrand hinaus lesen.

Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt immer so? 
Frankfurt ja. Leipzig nein. Zweiteres bedauere ich sehr. Aber bisher ergaben sich immer Terminschwierigkeiten. Ich hoffe, es vielleicht im nächsten Jahr zu schaffen. Frankfurt ist bereits mit 2 Tagen für 2014 fest eingeplant.

Bookdealer fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern? 
Sehr wichtig.  Ich mag den direkten Kontakt auf Lesungen oder zu anderen Gelegenheiten sehr. Schließlich sind die Leser diejenigen für die ich  meine Bücher schreibe! 

Bookdealer fragt: Was hälst du von den Blogtouren die im Moment so beliebt sind? Sprich wenn Blogger, Autoren & deren Bücher bekannter machen. 
Blogger schätze ich sehr. Die gesamte Bloggerszene ist in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil des Buchmarktkarusells. Vor allem, weil viele Buchblogger mit Herz und Seele bei der Sache sind und sehr viel Engagement aufbringen. Die Leidenschaft für gute Geschichten der gemeinsame Nenner, der Blogger und Autoren eint. Natürlich  gibt es auch hier solche und solche, also sehr gute und nicht so prickelnde Blogs. Bei einigen ist der Schreibstil und die Art der Blogpräsentation aber sehr professionell und steht in nichts einem gut gemachten Journalismus  - eben nur in anderer Form -nach.
Weil ich die Blogger so schätze, gibt es auch zu meinen Neuerscheinungen immer eine Aktion, die sich ausschließlich an Blogger richtet und bei der es eine Lesung mit mir zu gewinnen gibt. Die Auslosung der Lesung für »Kraut & Rübchen« steht z.B. bald an und ich  bin schon sehr gespannt, zu welcher Bloggerin oder welchem Blogger es mich  in diesem Jahr verschlagen wird.

Bookdealer fragt: Ist dir auf einer deiner Lesungen schon mal was total lustiges oder peinliches passiert?
Vor nicht allzu langer Zeit, hatte ich eine Lesung im Rahmen des Tatort Eifel Festivals. Alles vorbereitet, Text neu ausgedruckt (ich lese immer vom Blatt), alles wunderbar. Ich lese, die Menschen hängen an meinen Lippen. Der Showdown der Geschichte nähert sich, ich blättere um und ... stelle fest, dass die letzte Seite fehlt ... Mir wurde heiß und kalt und in Gedanken rotierte ich, ob ich die letzten Sätze vielleicht auswendig kannte. Leider Fehlanzeige. Zum Glück fiel mir ein, dass ich den Text als Mail auf meinem Handy hatte. Es dauerte ein paar Minuten, bis ich die Technik besiegt hatte und weiterlesen konnte. Das Publikum war zum Glück sehr gnädig mit mir.
Seitdem habe ich alle Texte immer als PDF auf meinem Handy gespeichert.

Bookdealer fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen möchtest ?
Wenn meine Kinder mal aus dem Haus sind, würde ich gerne längere Schreibreisen mit dem Wohnwagen machen, um direkt vor Ort recherchieren zu können. Mal sehen, ob das klappt und wohin es mich und meine Geschichten dann trägt. Und ich möchte gerne einen Liebesroman schreiben.


Vielen herzlichen Dank liebe Elke, das du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.

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