Donnerstag, 10. Januar 2013

[Autoren Interview] Susanna Ernst

Für das Bücherforum "BÜCHERTRÄUME" (wo ich Moderator bin) hat sich die liebe Susanna bereit erklärt uns ein Interwiev zu geben. Und da ich für diesen Bereich zuständig bin, packe ich das ganze noch auf meinen Blog.


Bücherträume fragt:  Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?

Susanna antwortet: Ein bisschen so, wie die Jungfrau zum Kinde, ehrlich gesagt. Ich habe zwar schon immer gerne geschrieben - als jüngeres Kind kleine Geschichten mit selbstgemalten Bilder und später dann Gedichte, Kurzgeschichten und eben einfach alles, was mich gerade so bewegte -, aber ich hatte nie gezielt vor, einen Roman zu schreiben.
Die Situation, dass ich mich hinsetzte und mir eine Handlung zurechtbastelte, gab es nie. Das geschah vollkommen spontan und überraschte mich damals selbst.

Bücherträume fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Susanna antwortet: Meine Schwestern, würde ich sagen. Meine Mutter liebt alles, was ich schreibe und mein Mann liest die Bücher erst, wenn sie schon erschienen sind. Meine beiden Schwestern hingegen lesen auch schon die Grundfassungen meiner Romane und sagen mir immer klipp und klar, was sie davon halten. Das ist sehr, sehr viel wert.
Außerdem habe ich mittlerweile engen Kontakt zu zwei Bloggerinnen, die mein uneingeschränktes Vertrauen genießen: Fabella von www.buchzeiten.blogspot.de und Beate von www.buchplaudereien.de haben alle Rohfassungen seit der Veröffentlichung meines Debütromans gelesen und mit ihren Kritiken auch immer ihren Anteil geleistet, wofür ich den beiden wirklich unglaublich dankbar bin. 
 

Bücherträume fragt:  Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben?

Susanna antwortet: Oh ja, ein ganz wichtiges: Kinder ins Bett bringen. :-)
Aber ernsthaft: unter der Woche gehe ich vormittags meinem Brotjob in der Bank nach und komme genau rechtzeitig nach Hause, um die Kinder von Schule und Kindergarten abzuholen. Der Nachmittag gehört dann ganz den beiden. Zum Schreiben bleibt mir also nur der Abend und - wenn ich in Rage bin - manchmal auch die Nacht. Mein eigentliches Ritual ist es dann, mir noch einen Tee aufzubrühen bevor ich mich an den Laptop setze.

Bücherträume fragt:   Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und  bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?

Susanna antwortet: Zum Thema zuerst Geschichte oder Charaktere: das ist unterschiedlich. Amy und Matt aus "Deine Seele in mir" waren zum Beispiel schon Jahrzehnte bevor ich ihrer Geschichte auf den Grund ging in mir.
Bei meinem zweiten Roman "Das Leben in meinem Sinn" war hingegen zuerst die Idee zur Geschichte da und zog die Charaktere mit sich.
Und zum Thema Namensgebung: auch hier ist das von Charakter zu Charakter anders.
Amy und Matt hatten ihre Namen irgendwie schon. Ich weiß nicht, wie ich das anders beschreiben soll, denn sowie ich mich gedanklich ein wenig tiefer mit diesen Kindern beschäftigte, wusste ich auch, wie sie hießen.
Bei Sarah und Ben aus "Das Leben in meinem Sinn" war es genauso. Irgendwann, während sich eine Figur von einem unscharfen Scherenschnitt zu einem real wirkenden Menschen mit all seinen Besonderheiten entwickelt, kommt der Name wie von selbst. So ist es meistens.
Allerdings gibt es schon Charaktere, bei deren Namen ich lange hin und her überlegt habe.
Und für mein neuestes Projekt, einen Jugend-Romantasy-Roman, habe ich sogar Hilfe bei der Namensgebung über facebook angefordert und auch erhalten. Da wird das Schreiben dann plötzlich interaktiv. :-)
Die Namen, die ich in solchen Fällen für meine Charaktere aussuche, haben keine bestimmte Bedeutung, müssen aber zu ihnen passen. Genauso, wie ich mir meine Kinder nach der Geburt anschaute und mir noch einmal genau überlegte, ob die Namen, die wir uns im Vorfeld für sie zurechtgelegt hatten, auch wirklich zu ihnen passten, mache ich das mit meinen fiktiven Freunden auch.  

Bücherträume fragt:   Könntest du dir vorstellen mit einer Autorin / einem Autor zusammen ein Buch  zu schreiben?

Susanna antwortet: Auf jeden Fall! Ich denke, das könnte großen Spaß machen und suche insgeheim immer noch jemanden, der diesen Versuch mal mit mir wagt.
Bücherträume fragt:   Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?

Susanna antwortet: Ich habe bei dieser Frage bisher immer mit "Die gute Erde" von Pearl S. Buck geantwortet und mir geschworen, es beim nächsten Mal nicht mehr zu tun....
Also, dann entscheide ich mich diesmal für "Das Trapez" von Marion Zimmer Bradley.
Ein großartiges Buch, das über eine Zirkusfamilie in den frühen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts berichtet - und über einen Waisenjungen, der seit seiner Kindheit als Trapezartist mit dieser Familie reist und sich später in einen der Söhne verliebt. Homsexualität war zu dieser Zeit natürlich ein absolutes Tabuthema und auch noch sehr heikel, als die Autorin dieses Buch schrieb. Umso beneidenswerter ihr Einfühlungsvermögen. Ein wirklich tolles Buch!
  

Bücherträume fragt:   Hättest du damit gerechnet das deine  Bücher so gut bei den Lesern ankommen? Man liest ja recht viel von denen die von deinen Büchern nur so schwärmen =)

Susanna antwortet: Ganz ehrlich: Niemals! Als das eBook erschien, waren wir im Urlaub ... ohne Internet.
Ich konnte nur einmal die Woche online gehen und war schlichtweg überwältigt, wie viele Reaktionen mich erwarteten. Bis heute freue ich mich so sehr über jedes einzelne Feedback der Leserinnen und Leser. An dieser Stelle auch noch mal ein fettes DANKE an euch alle!!!

Bücherträume fragt:   Wenn du jetzt keine Bücher lesen & selber schreiben würdest, würde dir da was in deinem Leben fehlen?

Susanna antwortet: Oh ja! Ein großes Stück Freiheit.
Die Gedanken barrierelos schweifen zu lassen und sich seiner Fantasie zu ergeben, mag ja schon befreiend sein. Aber das Gefühl, wenn deine Charaktere ein Eigenleben entwickeln und so stark werden, dass sie schließlich nach deiner Hand greifen und dich einfach hinter sich her durch ihre Geschichten ziehen - das ist eine Erfahrung, die mir nur das Schreiben ermöglicht. 

Bücherträume fragt:   Gibt es Dinge, die dich am Buchgeschäft stören, und wenn ja, welche sind das?

Susanna antwortet: Nun, ich bin noch zu frisch dabei, um mir hier ein ausgiebiges Urteil erlauben zu können. Ich selbst hatte ja auch großes Glück durch die zum Droemer-Knaur Verlag gehörige Plattform www.neobooks.com "entdeckt" zu werden. Chancen gibt es also schon.
Aber im Allgemeinen stört es mich, dass junge deutsche Autoren so verschwindend geringe Chancen auf Verlagsverträge haben. Einen Großteil des deutschen Buchmarktes belegen die bereits bewährten Bestseller aus dem Ausland, hauptsächlich den USA. Dann gibt es einige deutsche Bestsellerautoren, die natürlich ordentlich gepusht werden. Für neue deutschsprachige Talente bleibt da nur eine verschwindend kleine Lücke übrig. Erscheinen ihre Bücher tatsächlich, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch in den Buchläden ausliegen oder in den Regalen stehen. Das finde ich einfach schade, denn diese "unter den Teppich gekehrten" Texte sind oft erfrischend anders und ... ja, irgendwie so unverbraucht.
Bücherträume fragt:   Warst du schon mal auf einer Buchmesse? (Frankfurt oder Leipzig) und falls ja, wie hatte es dir denn da so gefallen? Konntest du viel dort sehen?

Susanna antwortet: Ja, im Herbst 2011 war ich zum ersten mal in Frankfurt und letztes Jahr dann auch wieder. In Leipzig war ich noch nicht, aber das steht noch an. Das erste Mal wanderte ich ziel- (und orientierungs-) los durch die Hallen, im zweiten Jahr hatte ich selbst schon einige Verabredungen.
Die Eindrücke auf so einer Buchmesse sind schon überwältigend. Sooo viele Bücher - paradiesisch und beängstigend zugleich. Wie kann eine Idee in der Masse all dieser Ideen noch neu sein? Das habe ich mich automatisch gefragt. :-)

Bücherträume fragt:   Welche Ratschläge gibst du jungen Autoren mit auf den Weg?

Susanna antwortet: Durch meine positiven Erfahrungen mit neobooks kann ich nur empfehlen: Sorgt dafür, dass ihr ehrliche, objektive (!) Leser und Kritiker findet und stellt euch deren Verbesserungsvorschlägen. Offen für Kritik zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig sich verbiegen zu lassen. Man kann lernen und seiner Idee und seinem Schreibstil dabei dennoch treu bleiben.

Bücherträume fragt: Wie kamst du zu der Idee „Deine Seele in mir“ zu schreiben?


Susanna antwortet: Oh, das wird eine ernüchternde Antwort, die einige bestimmt schon das eine oder andere Mal gelesen haben.

"Deine Seele in mir“ entstand, dem rosa Cover zum Trotz, auf recht unromantische Art und Weise, zumal die Idee zu diesem Roman auf einem Albtraum basiert. Der suchte mich seit frühester Kindheit immer wieder heim. Im Prinzip träumte ich die Szene des Prologs, mit den beiden unbeschwerten Kindern, die am Waldrand von einem maskierten Mann abgefangen werden. Mein Mann Oliver ermutigte mich eines Nachts, als ich wieder schweißgebadet aufschreckte, mich näher mit diesen beiden Kindern zu befassen. Das tat ich… und schrieb die erste Fassung des Buches in nur zehn Tagen.

Vielen herzlichen Dank liebe Susanna, das du dir die Zeit genommen hast, uns das kleine Interview zu geben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen