Mittwoch, 19. Dezember 2012

Sönke Brandschwert im Interview

Auch der liebe Autor Sönke Brandschwert, erklärte sich bereit dem Forum "Bücherträume" ein Interview zu geben.

Bücherträume fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?

Sönke: Ich hatte schon in meiner Kindheit eine unbändige Fantasie. Als ich mit elf Jahren meinen ersten Edgar Wallace im Fernsehen (damals noch in schwarz-weiß) gesehen hatte, dachte ich, dass es toll sein muss, sich so verworrene Geschichten ausdenken zu können.
Da mit zunehmendem Alter aber zunächst das Geldverdienen in den Vordergrund geriet, habe ich meine Fantasie lange Zeit ruhen lassen.
Irgendwann habe ich dann im privaten Kreis angefangen, Fantasy-Geschichten für Spiele zu schreiben. Hier fragte man mich öfters, ob ich früher Kinderbücher geschrieben hätte. Offenbar gefiel es.
Der eigentliche Auslöser kam dann durch meinen Beruf. Ich bin Informatiker und beschäftige mich zum Geldverdienen mit allem, was es da zu tun gibt: Netzwerke, Datenbanken, Programme und Programmierungen…
Ende der 90er wurde das Unternehmen, für das ich seinerzeit arbeitete, von einem Virus einen ganzen Tag lang lahm gelegt. Mit Kollegen extrahierte und untersuchte ich dieses Virus und stellte verblüfft fest, dass ein fähiger 15jähriger das hätte programmieren können. So überlegten wir damals, was wohl geschehen würde, wenn ein Spezialist etwas Derartiges fabrizierte.
Das nächste Ereignis, das mich noch mehr bewegte, waren die Vorfälle vom 11. September. Meine Gedanken an diesem Tag vermischten sich mit denen, die ich Ende der 90er hatte. Was wäre, wenn der Terrorismus intelligent wurde und nicht mehr Menschen tötete, sondern die Wirtschaft der gesamten westlichen Welt mittels der digitalen Technologie ins Chaos stürzte?
Das Ergebnis ist mein Erstlingswerk „Netzinfarkt“.

Bücherträume fragt: Musstest du für deine Bücher lange nach einem Verlag suchen?
Sönke: Für einen Newcomer ist es nie leicht, einen Verlag zu finden. Wenn man überlegt, dass die großen Verlage mitunter 100 Manuskripte pro Woche auf den Tisch kriegen, dann verwundert es nicht, dass meistens zunächst nur nach dem Exposee ausgefiltert wird. Die meisten Manuskripte bleiben ungelesen.
Daher war die Entscheidung auch schnell gefallen, es bei einem kleineren Verlag zu versuchen.

Bücherträume fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben?
Sönke: Außer dass ich gedanklich komplett in die Story versinken muss, eigentlich nicht. Die Dinge, die sich immer wiederholen, passieren später. So bekommen stets zehn Testleser/innen mein Manuskript zu lesen, wobei mindestens fünf dabei sein müssen, die mich gar nicht kennen. Nur so kann man ein wirklich unabhängiges und ehrliches Ergebnis erwarten. Nach den entsprechenden Kommentaren wird das Buch noch einmal überarbeitet.
Das ist nicht immer leicht, weil die Meinungen oft sehr weit auseinander gehen. In „Spiel, bis du stirbst“ gab es eine Szene, von der eine Testleserin meinte, dass es ihre absolute Lieblingsszene und der absolute Hammer sei. Eine andere Testleserin jedoch fand genau diese Szene völlig überzogen und unglaubwürdig.
Deshalb kann man auch kein Buch schreiben, das wirklich JEDEM gefällt. Das gibt es einfach nicht. Selbst die tollsten Bestseller bekommen teilweise sehr kritische Stimmen. Deshalb bin ich mit der durchschnittlichen Beurteilung meiner Bücher sehr zufrieden.

Bücherträume fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf?
Sönke: Da bin ich tatsächlich nicht festgelegt. Bei „Netzinfarkt“ war es zuerst die Geschichte. Bei „Spiel, bis du stirbst“ waren es die Charaktere. Ich wollte einfach eine etwas ungewöhnlichere Figur schaffen. Es war ein kleines Experiment: Konnte ich eine Figur aus einer „Randgruppe“ zeichnen, die zunächst für viele Leser suspekt erscheint, die er aber im Laufe des Buches lieben oder zumindest mögen lernt? Dabei wollte ich natürlich keinesfalls auf Klischees bauen sondern eine realistische Welt darstellen. Die Recherchen dazu waren äußerst spannend.

Bücherträume fragt: Könntest du dir vorstellen mit einer Autorin / einem Autor zusammen ein Buch zu schreiben?
Sönke: Absolut ja! Ich WILL das sogar unbedingt mal machen und habe da auch ein paar konkrete Vorstellungen zu.

Bücherträume fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Sönke: Die Trilogie von Stieg Larsson.

Bücherträume fragt: Hättest du damit gerechnet, dass deine Bücher so gut bei den Lesern ankommen? Man liest ja recht viel von denen die von deinen Büchern nur so schwärmen.
Sönke: Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, rechnet man nie damit. Ich bin sehr selbstkritisch. Wenn ich heute beispielsweise „Netzinfarkt“ noch einmal schreiben sollte, würde ich vieles anders machen. Jedes Mal wenn ich eines meiner Bücher lese, fallen mir tausend Dinge auf, die ich hätte besser machen können.
Und wie bei einer anderen Frage zuvor schon geschrieben: Es gibt ebenso kritische Stimmen zu meinen Büchern, und das ist auch gut so! Es motiviert mich, nicht auf der Stelle stehen zu bleiben, sondern mich immer weiter zu entwickeln.

Bücherträume fragt: Wenn du jetzt keine Bücher lesen & selber schreiben würdest, würde dir da was in deinem Leben fehlen?
Sönke: Natürlich. Ich kann mit Büchern wesentlich mehr anfangen als mit Filmen. Tatsächlich habe ich mal über zehn Jahre lang kein Fernsehgerät besessen!
Erstmal hat man mehr/länger von einem Buch, und dazu kann man sich die Dinge so vorstellen, wie man sie nach dem persönlichen Empfinden haben möchte.
Selbst das Schreiben ist für mich spannend. Ich „erlebe“ die Geschichte und fiebere, ängstige und freue mit meinen Figuren. Einige Wendungen in meinen Geschichten tauchen tatsächlich erst während des Schreibens auf und überraschen mich selbst. Plötzlich drängt sich der Gedanke auf, dass es ja auch anders sein könnte. Vielleicht wirken meine Geschichten deshalb so lebendig.

Bücherträume fragt: Gibt es Dinge, die dich am Buchgeschäft stören, und wenn ja, welche sind das?
Sönke: Oh, da gibt es eine Menge. Ich finde es sehr schade, dass die kleinen Buchhandlungen von den großen Giganten verdrängt werden. Die Großen wiederum „machen“ die Bestseller, indem bestimmte Bücher besonders platziert oder in hohen Stapeln aufgebaut werden. Über die Gerüchte, dass die großen Verlage dafür sogar Unsummen bezahlen (was sich ein kleiner Verlag einfach nicht leisten kann), möchte ich gar nicht sprechen.
Außerdem finde ich es sehr schade, dass es gerade unter Autoren/innen große Neider gibt. Manche davon wenden mehr Energie auf, der Konkurrenz zu schaden (indem sie zum Beispiel für besonders schlechte Rezensionen sorgen), als für ihre eigene Schreiberei.
Zum Glück gibt es aber auch viele, die wirklich nette Kollegen/innen sind. Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle Eva Lirot nennen, mit der ich sehr gerne zusammenarbeite.

Bücherträume fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse? (Frankfurt oder Leipzig) und falls ja, wie hatte es dir denn da so gefallen? Konntest du viel dort sehen?
Sönke: Ja. Da ich im Taunus wohne, ist Frankfurt für mich ja um die Ecke. Allerdings mag ich eigentlich solche Menschenmassen-Veranstaltungen nicht. Mir gibt es mehr, wenn ich mich mit einem Lektor, einer Autorin oder einem Fan in Ruhe unterhalten kann.
Bücher die ich lese suche ich mir selten danach aus, wie sie angepriesen und beworben werden. Ich gebe mehr auf Mundpropaganda oder ehrliche Blogger.

Bücherträume fragt: Da ich selber blogge & Modi in diesem Forum bin, interessiert mich/uns noch eines besondersGrinsenank der Social Networks ist der Kontakt zwischen Autor/in und deren Fans viel intensiver geworden. Fluch oder Segen?
Sönke: In jedem Fall mehr Segen als Fluch – allerdings gibt es den Fluch leider auch. Für mich ist es sehr wichtig, einen engen Kontakt zu Fans zu haben. Zum einen hilft mir ihr Feedback, mich weiter zu verbessern, zum anderen spendet mir ein positives Feedback auch viel Motivation. Es gibt sehr viele liebe Menschen, die mich angeschrieben haben. Mit einigen bin ich dauerhaft in Kontakt geblieben. Manchmal entdecke ich dabei sogar das eine oder andere Talent, das ich dann zu fördern versuche.
Der Fluch beginnt dann, wenn man plötzlich 50 Mails pro Tag beantworten soll und es nicht schafft. Ich schreibe ja „nur nebenbei“ und habe noch meinen Hauptberuf, der sehr zeitintensiv ist. Da ich aber nie einen Ghostwriter damit beauftragen würde, meine Mails zu beantworten, kann das wirklich in Stress ausarten. Ich musste meine Aktivitäten ein ganzes Stück herunterfahren, um nicht irgendwann mit Infarkt im Krankenhaus zu landen.
Doch bessere Zeiten sind in Sicht: Ab Oktober 2013 werde ich hauptberuflich nur noch 3 Tage die Woche arbeiten und mich verstärkt dem Schreiben und meinen Fans widmen können. Ich hoffe, dass mich bis dahin nicht alle vergessen haben

Vielen herzlichen Dank lieber Sönke, das du dir die Zeit genommen hast, uns das kleine Interview zu geben.



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